VERLEIHUNG DES FÜRTHER LUDWIG-ERHARD-PREISES 2026
Vor über 300 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hat der Ludwig-Erhard-Initiativkreis am 16. Juli 2026 zum 23. Mal den nach dem in Fürth geborenen, ehemaligen Bundeskanzler und Bundeswirtschaftsminister benannten Preis vergeben. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung hat in diesem Jahr Dr. Robert Maximilian Rühl erhalten – bei einer Rekordzahl von 36 Bewerbungen.
Rühl hatte die Jury mit seiner an der Universität Bayreuth eingereichten und dort mit magna cum laude bewerteten Dissertation „Neue Wege der Rentenversicherung – Möglichkeiten und Perspektiven einer demographiefesteren Altersvorsorge“ überzeugt. Als Festredner war Professor Dr. Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Weltwirtschaft (WIFO) in die Fürther Stadthalle gekommen.
„Das Leistungsprinzip der gesetzlichen Rentenversicherung gerät in Schieflage“, erklärte Ludwig-Erhard-Preisträger Dr. Rühl. Ein Grund dafür sei die nachweisbar höhere Lebenserwartung jener Bevölkerungsteile, die überdurchschnittlich hohe Renten beziehen. Rühl plädiert anhand seiner Studien deshalb für eine Reform, die innerhalb des bestehenden Systems an zwei Hebeln ansetzt: eine degressive Zuteilung von Entgeltpunkten sowie Rentenanpassungen, die sich nicht mehr an der Lohnentwicklung, sondern an der Inflation orientieren. Dies schaffe insgesamt mehr Leistungsgerechtigkeit, während mittelfristig Sozialbeiträge – und damit die hohen Lohnnebenkosten – sinken. „Menschen mit niedrigen Einkommen erhalten später etwas höhere Renten, Menschen mit hohen Einkommen etwas niedrige“, so Dr. Robert Rühl. Seine Arbeit zeige einen Reformpfad auf, der sich an Leistungsgerechtigkeit orientiert, sozialen Ausgleich stärkt und strukturelle Fehlanreize korrigiert.
Für den aus Wien angereisten Professor Dr. Gabriel Felbermayr ein mehr als interessanter Ansatz, wie er im Hinblick auf die in Österreich schon länger an die Preisentwicklung gekoppelte gesetzliche Rente anmerkte. Zuvor hatte Felbermayr in seiner Festrede Ludwig Erhard und dessen Zeitgenossen, den österreichischen Ökonom und Sozialphilosophen Friedrich August von Hayek (1899-1992), in ihren Studien und in ihrem Wirken verglichen. Vor allem ging Felbermayr, seit diesem Jahr Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem sogenannten „Rat der Wirschaftsweisen“, darauf ein, wie Hayek und Erhard die derzeitigen globalen Handelsverwerfungen bewerten würden. Sanktionen, Blockaden, Exportkontrollen, dazu noch der „China-Schock 2.0“, in dessen Folge chinesische Überproduktionen den Weltmarkt fluten: „Ludwig Erhard hätte dies als Realität akzeptiert und versucht, mit kluger Politik gemeinsam mit den Partnern in Europa Monopole und Machtkonzentrationen zu begrenzen.“ Friedrich August von Hayek dagegen würde eine Gefahr für den Markt an sich sehen und vor einem Rückfall in den Merkantilismus warnen. Anhänger des Freihandels waren beide – der österreichische Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften und der Vater des deutschen Wirtschaftswunders. Während von Hayek den heutigen Herausforderungen „abstrakt-theoretisch“ begegnen würde, wäre Erhards Ansatz ein „politisch-pragmatischer“.
In seinem Grußwort hatte zuvor Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ebenfalls an einige von Ludwig Erhards Prämissen erinnert. „Eigenverantwortung ist wichtiger als Staatsgläubigkeit. Diese Einsicht bildete die Grundlage für die Soziale Marktwirtschaft und die Demokratie der vergangenen 80 Jahre“, so Herrmann. Das Wirtschaftswunder habe nach dem Krieg keine fremde Macht gebracht, „sondern kluge Konzepte und harte Arbeit“. Er forderte dazu auf, sich nicht „von Pessimismus und Miesmacherei“ anstecken zu lassen. Und mahnte, dass sich die Gesellschaft als Ganzes wieder mehr anstrengen müsse: „Mit den Händen im Schoß werden wir unseren Lebensstandard nicht halten können.“
Der Ludwig-Erhard-Preis wird seit 2003 als Anerkennung an frisch promovierte Wissenschaftler verliehen, die in ihren Arbeiten Praxisnähe und Realisierbarkeit sowie einen bedeutenden Nutzen für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt in den Fokus rücken. Mit 36 Frauen und Männern haben sich in diesem Jahr so viele Forschende wie nie zuvor um den Preis beworben – von 26 verschiedenen Universitäten aus fünf Ländern. Die Auszeichnung habe damit sichtbar ein großes internationales Renommee erworben, freute sich Evi Kurz, die Vorsitzende des Ludwig-Erhard-Initiativkreises. Neben dem diesjährigen Preisträger Dr. Robert Maximilian Rühl, hatte die Jury Dr. Robert Messerle und Dr. Jonas Stehl nominiert. Ihre Forschungen - „Aufsätze zur Krankenhauspolitik“ beziehungsweise „Essays zur Ökonomie der globalen Ernährungssicherheit“ - wurden jeweils mit einem Preisgeld in Höhe von 1000 Euro gewürdigt.